Wow – was für ein Start in die Saison 2026!
- Vera Stocker
- 7. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Schon in den Trainings der letzten Wochen hatte ich ein gutes Gefühl. Die Beine fühlten sich schnell an, der Rhythmus zwischen den Hürden passte immer besser, und vieles lief genauso, wie wir es uns erarbeitet hatten. Trotzdem blieb die grosse Frage: Wo stehe ich wirklich?

Gelungener Auftakt in Langenthal
Mein erster Wettkampf der Saison fand an Auffahrt in Langenthal über 300 m Hürden statt. Die Wetterprognosen versprachen alles andere als ideale Bedingungen – kühl, wechselhaft und immer wieder Regen. Doch ausgerechnet für mein Rennen blieb es trocken.
Im Lauf musste ich meinen geplanten Rhythmus anpassen. Trotzdem fühlte sich das Rennen erstaunlich locker und flüssig an. Ich konnte schnell laufen, ohne zu verkrampfen, und hatte richtig Freude daran, endlich wieder Wettkampfluft zu schnuppern. Im Ziel stand eine neue persönliche Bestzeit von 41.03 Sekunden. Ein gelungener Start und die Vorfreude auf das erste 400m Hürden Rennen der Saison war riesig.
Zofingen: Persönliche Bestleistung
Eineinhalb Wochen später war es so weit: Mein erstes 400m Hürden Rennen des Jahres stand in Zofingen an. Die Bedingungen hätten kaum besser sein können. Zwar war es tagsüber sehr heiss, doch das Rennen fand am Abend statt, perfekt für schnelle Zeiten.
Vor dem Start war ich deutlich nervöser als noch in Langenthal. Vor allem die letzten 100 Meter bereiteten mir Respekt. Gleichzeitig war es eine positive Nervosität. Ich wusste, dass ich gut vorbereitet war und ein starkes Rennen möglich war.
Genau so kam es dann auch.
Ich konnte meinen geplanten Rhythmus durchziehen und das Rennen so laufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Als Erste über die Ziellinie zu laufen, war bereits ein unglaubliches Gefühl. Doch als mir anschliessend meine Zeit genannt wurde, war ich sprachlos: 56.92 Sekunden.
Fast eine ganze Sekunde schneller als meine bisherige persönliche Bestleistung und das bereits im ersten Rennen der Saison.
Nach dem Rennen kühlten wir unsere Beine im Fluss neben der Anlage ab und machten uns auf den Heimweg. Viel Zeit zum Feiern blieb allerdings nicht, denn nur zwei Tage später wartete bereits der nächste Wettkampf.

Noch schneller in Basel
Am Pfingstmontag stand Wettkampf Nummer drei in Basel auf dem Programm. Ehrlich gesagt hatte ich die Leistung von Zofingen noch gar nicht richtig verarbeitet.
Die Frage war nun: Hatten sich meine Beine ausreichend erholt?
Die Bedingungen waren nochmals heisser als in Zofingen. Mein Ziel war klar: Noch einmal ein schnelles Rennen laufen.
Der Start verlief ähnlich wie zwei Tage zuvor, allerdings merkte ich während des Rennens, dass ich meinen Rhythmus eine Hürde früher anpassen musste als geplant. Zum Glück gelang es mir, die Situation schnell zu korrigieren und den Lauf sauber zu Ende zu bringen.
Als ich die Ziellinie überquerte und auf die Anzeigetafel blickte, konnte ich es kaum glauben:
56.66 Sekunden – erneut eine persönliche Bestleistung!
Nur eine Hundertstelsekunde fehlte noch zur Swiss Starters Limite.
Nach diesem intensiven Wochenende, körperlich wie emotional, waren zwei lockere Erholungstage mehr als willkommen, bevor der Fokus bereits auf die Schweizer Vereinsmeisterschaft gerichtet wurde.
SVM: Zwischen Zweifel und Flow
Für mich war es die erste Schweizer Vereinsmeisterschaft in der Nationalliga A mit dem STB. Die Vorbereitung verlief allerdings alles andere als ideal.
Nach dem Krafttraining am Freitag davor verspürte ich Schmerzen im Adduktor. Ich wusste nicht, woher sie kamen, und das verunsicherte mich enorm.
Glücklicherweise konnte ich am Samstag noch zu meiner Osteopathin. Sie löste die Muskulatur, nahm sich Zeit und half mir nicht nur körperlich, sondern auch mental. Danach investierte ich viel Energie in die mentale Vorbereitung, damit ich am Sonntag ohne Zweifel an die Startlinie gehen konnte.
Vor dem Rennen wurde der Muskel von der Physiotherapeutin nochmals etwas gelöst und ich nahm mir für das Warm-up etwas mehr Zeit als sonst. Als ich schliesslich in den Startblock stieg, spürte ich keine Schmerzen mehr.
Jetzt konnte ich mich wieder auf das konzentrieren, was ich liebe: Rennen laufen.
Ein spannendes Rennen stand bevor, starke Konkurrenz und gute Bedingungen, genau das, was ich mir wünsche. Ich freute mich darauf, alles für mein Team herauszuholen.
Und dann passierte etwas Besonderes, ich kam in einen Flow. Das Rennen fühlte sich richtig gut an. Vor der letzten Hürde lagen wir zu viert praktisch gleichauf. Ich erwischte die letzte Hürde sehr gut und warf auf den letzten Metern alles in die Waagschale. Es wurde extrem knapp.
Am Ende gewann ich das Rennen mit gerade einmal zwei Hundertstelsekunden Vorsprung und holte die maximalen 16 Punkte für unser Team.
Und die Zeit?
56.20 Sekunden - Swiss Starters Limite, persönliche Bestleistung!
Wieder war ich sprachlos.

Geduld zahlt sich aus
Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, sich selbst mit der eigenen Leistung zu überraschen. Ein Gefühl, das ich seit meinem ersten Rennen unter 60 Sekunden nicht mehr erlebt hatte.
Doch dieser Erfolg ist kein Zufall.
Seit meinem Wechsel nach Bern vor eineinhalb Jahren arbeite ich gemeinsam mit meinen Trainern an vielen verschiedenen Baustellen: Kraft, Stabilität, Sprinttechnik, Ausdauer und unzähligen kleinen Details. Schritt für Schritt hat sich vieles entwickelt. Und jetzt merke ich, wie ich diese Fortschritte nach und nach auch im Wettkampf umsetzen kann.
Genauso wichtig ist die mentale Entwicklung. Mein Selbstvertrauen ist gewachsen, und ich habe gelernt, stärker an meine eigenen Fähigkeiten zu glauben.
Dafür bin ich meinem Umfeld, meinen Trainerinnen und Trainern sowie meiner Trainingsgruppe unglaublich dankbar.
Die letzten Wochen haben mir einmal mehr gezeigt: Entwicklung braucht Geduld. Nicht jede Verbesserung wird sofort sichtbar. Aber wenn man konsequent weiterarbeitet, an sich glaubt und dranbleibt, dann kommt irgendwann der Moment, in dem sich all die Arbeit auszahlt.
Und genau das macht diesen Saisonstart so besonders.

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